Die richtige Belichtung - gibt es die?
Ein klares und wenig eindeutiges "Jein".
Da auch professionelle digitale Kameras nicht den gesamten Dynamikumfang der Lichtinformationen aufnehmen und wiedergeben können, den wir mit unseren Augen erfassen, hängt eine "richtige" Belichtung von vielen Faktoren ab. In den meisten Fällen kann es sich nur um einen Kompromiss handeln, den wir erzielen können.
Je höher die Kontrastunterschiede im aufzunehmenden Motiv, desto enger wird auch das Spektrum der aufnehmbaren Detailinformationen. Eine Überbelichtung bringt zwar eine gute Detailzeichnung in den Schattenpartien, aber die Lichter fransen aus und beispielsweise wird der doch so schön in Erinnerung behaltene blaue Himmel ein weißer Einheitsbrei. Umgekehrt die Unterbelichtung, bei der in den helleren Bildbereichen noch viele Details erkennbar sind, aber die dunklen Bereiche "saufen" richtig ab und haben keine "Zeichnung"
Um dem entgegenzusteuern empfiehlt sich bei Digitalkameras:
- Aufnahmen wenn möglich im "Rohformat" der Kamera (RAW)
- "Bracketing" Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungswerten (Über- und Unterbelichtung)
- "Motivkontrolle" (Soll der bildwichtigste Motivteil richtig belichtet werden?)
- Bei zu starken Lichtunterschieden - Aufhellen oder Absenken der Lichtintensität (Blitz usw.)
- Soll die "Lichtstimmung" erhalten bleiben? (Langzeitbelichtungen, Kerzenlicht usw.)
Zu Punkt 1: Nicht umsonst haben und hatten nur Kameras im höherwertigen Preissegment diese Möglichkeit der Datenaufnahme und -Speicherung. Im Gegensatz zu "JPG" bietet das "RAW" Format entscheidende Vorteile und ist ähnlich vergleichbar mit einem Filmnegativ. Und die Frage: "Warum wirfst du eigentlich deine Negative weg?" müssen sich wohl viele "JPG" Fotografen gefallen lassen. Und dabei liegt es oft nur an der Bequemlichkeit, nicht die erweiterten Möglichkeiten des "RAW" Formates zu nutzen.
Zu Punkt 2: Hier gibt es auf der Einstiegsseite
schon einen Beitrag zur Dynamikerweiterung.
Zu Punkt 3: Wie wichtig ist der bildwichtige Motivteil für die Bildwirkung auf den Betrachter? Soll dieser richtig belichtet sein, um die Aussage zu unterstreichen, oder besteht das Bild aus gleichwertigen Teilen, die alle mehr oder weniger "richtig" belichtet sein sollen? Dazu am besten ein Beispielbild:

Das Kind im Schattenbereich ist bei dieser "ausgewogenen" Belichtung nicht besonders vorteilhaft und zu dunkel.
Durch eine Überbelichtung im RAW Modul um ca. 1,5 Blenden ist das Kind richtig belichtet. Hier zeigt sich der Vorteil eines im "Rohformat" aufgenommenen Bildes: Eine starke "Nachbelichtung" bei 16 Bit Farbtiefe bleibt fast ohne negative Auswirkungen in Bezug auf das Farbrauschen. Die jetzt überbelichteten Boote im Hintergrund stören überhaupt nicht bei der Bildwirkung und befinden sich im Unschärfebereich.
Zu Punkt 4: Aufhellen der Schattenpartien im Vordergrund mittels Blitzlicht
führt zu einer ausgewogeneren Belichtung:
Zu Punkt 5: Zur bewußten Steuerung der Lichtstimmung mittels des Weißabgleiches ist auch die damit verbundene Belichtung ein entscheidender Faktor. Die Pupillen der Augen passen sich dunklen Lichtverhältnissen durch Vergrößern an, ähnlich vergleichbar der Erhöhung der ISO Werte an der Kamera. Dadurch werden die Sensorzellen empfindlicher und nehmen mehr Details in dunklen Bildteilen auf. Nachteil: das "Farbrauschen" -der Falschfarbenanteil, ähnlich vergleichbar mit dem Filmkorn, steigt.
Die Belichtung sollte deshalb darauf ausgelegt sein, diese "dunkle" Lichtstimmung relativ gut wiederzugeben. Das bedeutet: Details sollen erkennbar bleiben wo sie notwendig sind, dunkle Bereiche sollten dunkel bleiben.